Grete Meißner und Elisabeth Boeddinghaus

Grete Meißner war nicht die erste und Elisabeth Boeddinghaus nicht die letzte Frau, die in der Geschichte der Diakonie Schwerte Verantwortung trug, aber diese beiden haben über viele Jahre – zusammen genau von 1927 bis 1978 – unermüdlich diakonisch gewirkt und Spuren hinterlassen, die bis heute die Strukturen der Diakonie bestimmen.

Die Namen sind so eigentlich nicht richtig. Grete Meißner hatte genau genommen den Vornamen „Maria Margarethe“, wie wir in ihrer Geburtsurkunde lesen, und Elisabeth Boeddinghaus trägt seit ihrer Heirat den Familiennamen ihres Mannes „Genähr“. Aber im Zusammenhang mit der „Inneren Mission“ kennt man sie eben nur, wie zu Beginn genannt. Beide Frauen hatten viel Gemeinsames: das Bewußtsein, soziale Arbeit aus christlicher Überzeugung zu tun; die Bereitschaft, hartnäckig für die Sache zu kämpfen, ohne sich selbst zu schonen; den Blick für das Notwendige und das, was notwendig werden würde; das Verständnis von Diakonie als „Dienst im Stillen“ und Bescheidenheit einerseits, aber nicht Angepaßtsein andererseits; vielmehr bezogen sie Stellung, konnten unbequem werden, machten sich manchmal sogar unbeliebt, wenn es sein mußte.

Grete Meißner, Jahrgang 1899, wuchs im Rheinland auf, machte nach der Mittelschule verschiedene hauswirtschaftliche Praktika, erreichte das Staatsexamen in der Säuglings- pflege und absolvierte schließlich eine Ausbildung als Fürsorgerin. 1927 kam sie zur Inneren Mission Schwerte bzw. zum „Evangelischen Jugend- und Wohlfahrtsdienst“, wie wir im folgenden hören werden. 37 Jahre lang tat sie diese Arbeit und trat im August 1964 in den Ruhestand. Ein Jahr später wurde ihr vom Präsidenten des Diakonischen Werkes der Ev. Kirche in Deutschland die Wichernplakette für ihr verdienstvolles Wirken verliehen. Einige Monate nach ihrem Ruhestand kehrte sie zu ihrer Zwillingsschwester nach Köln zurück. Hier gehörte sie längere Zeit dem örtlichen Presbyterium an und leitete einen Hauskreis. Den Kontakt zur Diakonie Schwerte hielt sie noch regelmäßig. Als sie im April 1986 starb, konnte sie auf ein sinnreiches, erfülltes Leben blicken.

Drei Monate lang haben sie noch zusammen gearbeitet und für die Übergabe gesorgt, die damals 65-jährige Grete Meißner und die 30-jährige Elisabeth Boeddinghaus, die im Mai 1964 nach ihrem beruflichen Anerkennungsjahr zum Gemeindedienst für Innere Mission nach Schwerte kam.

Aber es war nicht nur ein Personen-, sondern auch Generationenwechsel und sicher bemerkenswert, dass Elisabeth Boeddinghaus fast als Berufsanfängerin diese verantwortungsvolle Aufgabe von einer – wie es scheinen konnte – „legendären“ Vorgängerin übernahm. Aber sie war darauf vorbereitet – sowohl fachlich als auch von ihrer Einstellung her – die Arbeit Grete Meißners ohne Bruch fortzusetzen.


Elisabeth Boeddinghaus
entstammt einer Pfarrersfamilie aus Gevelsberg und wurde im Februar 1934 geboren. Nach der Mittleren Reife und einem Hauswirtschaftsjahr ging sie in die Krankenpflege, erreichte Staatsexamen und Diplom und war auch noch nach ihrer Ausbildung bis 1957 in einem Hagener Krankenhaus tätig. Als Verbandsschwester gehörte sie der Ravensberger Schwesternschaft, Bethel an. Vor Aufnahme des Sozialarbeiterstudiums an der Ev. Fachhochschule Bochum 1960 sammelte sie verschiedene praktische Erfahrungen, u. a. in der Fürsorgeerziehung und der Arbeit mit straffälligen Jugendlichen. Im Gemeindedienst Schwerte war es dann ihr Stil, ihre Stärke und ihre Strategie, sich Mitstreiter, Verbündete zu suchen, Mitarbeit anzuerkennen, Wertschätzung auszudrücken, bei erkannten Missständen eigene Vorleistungen zu erbringen, um die Aufgabe später zu etablieren. So entstanden nicht nur die Altentagesstätte und die Spielstube, sondern auch die Schwerter Suchtberatung. Aber Elisabeth Boeddinghaus mußte auch die eigenen Grenzen erfahren. Als die Belastungen aufgrund unzureichender Personalausstattung über einen längeren Zeitraum unvertretbar wurden, die Auswirkungen auf die diakonische Arbeit nicht zu verantworten waren, aber eine Erweiterung des Stellenplans nicht durchsetzbar schien, erklärte sie in ihrer konsequenten Art nach gewissenhafter Prüfung ihre Kündigung zum Oktober 1978 und schockierte damit. Sie sorgte für ihre Nachfolge, blieb aber bei ihrer Entscheidung. Nach einem wohlverdienten Ruhejahr begann sie eine Tätigkeit als Referentin für Altenarbeit beim Diakoniewerk Witten. Im März 1989 ehelichte sie den verwitweten Rudolf Genähr (und seine Familie). Sie leben heute in der Schweiz und hören noch gern von der Diakonie Schwerte.

Grete Meißner und Elisabeth Boeddinghaus – zwei Beispiele. Wir pflegen keinen „Personenkult“, wissen natürlich auch von Schwächen und Kanten; aber das sind Frauen, die für die Geschichte der Diakonie Schwerte maßgeblich waren. Die inzwischen verstorbene Eggenstein-Bewohnerin Marianne Schütte, die beide noch kannte, hat sie in einem Interview einmal einfach so beschrieben:

Grete Meißner – tolle Frau; und Frau Boeddinghaus – nett, ruhig, besinnlich.
Sie hatte Vertrauen zu ihnen, und darauf kam es an.